Die Nafplio Wanderung I

Calimera! 
Ein griechisches Calimari Gericht oder einfach nur „Guten Tag“.
Am 27.09.2018 begann unsere Wanderung von Tolo nach Nafplio. Wer damals auf die grandiose Idee kam, lässt sich im Nachhinein nicht mehr genau sagen. Laut Google Maps sollten es auch nur 10 km Distanz sein und durchtrainierte Schüler, die wir waren, etwa 2 Stunden für den Weg brauchen. Die Hälfte des Kurses fühlte sich an diesem Tag eher mittelmäßig durchtrainiert und nachdem die Sonne begann ihre unerbittlichen Strahlen durch die Gegend zu schicken, beschlossen diese mit dem Bus die Strecke zurück zu legen. Wir, die Wanderer, in Begleitung von Frau Forstreuter und Herrn Hoffmann, gingen frohen Mutes, mit allem Nötigen versorgt 2 km weit, bis, ja bis….Das Abenteuer der Wildnis rief Herrn Hoffmann in die lautlose, trockene, bergige Landschaft fernab jeglichen Weges oder Zivilisation. Er lockte 9 Ahnungslose aus unserer Gruppe unter dem Versprechen mit, dass der Weg über die Berge, durch die in seinen Augen wundervolle Landschaft, der direkte Weg zum Zielort und damit viel kürzer sei. Unsere Tour sollte uns auf kurvenreicher aber fast befestigten Wegen zur Festung bringen. Wir waren zu Viert, Frau Forstreuter, Malin, Anna und ich. Wir passierten riesige Orangen- und Olivenplantagen. Jeder pflückte die frischen Früchte, entweder für einen angenehmen Geruch im Rucksack, oder so wie ich, um sie später zu essen. Sie schmeckten einfach großartig nach der Wanderung. Manche Bäume waren mit leeren Plastikflaschen geschmückt, die in den Bäumen hingen. Das schienen dann die gentechnisch verfeinerten Obstbäume zu sein, die ihren Saft, sobald sie reif waren, selbst in die Flaschen abfüllen sollten. Geniales Griechenland!

Frau Forstreuter ist die mutigste Lehrerin, die ich kenne. Sie führte uns zielstrebig an wild um sich fletschend bellenden Hunden vorbei. Mutig stellte sie sich immer hinter uns, um uns den Rücken frei zu halten. Besonders gefährlich wurde es, als wir an 4 ausgemergelten Hundekörpern vorbeikamen, die bereits hinter dem Zaun nur so darauf warteten etwas Essbares zu bekommen. Auch hier bewies Frau Forstreuter Heldenmut und lenkte die Hunde von uns ab, indem sie alleine einen weiten Bogen im schnellen Lauf um sie machte und so tat, als würde sie flüchten wollen. Genialerweise vielen die Hunde darauf rein und beobachteten nur sie, so dass wir beruhigt an ihnen vorbei gehen konnten. 

Da wir seit 45 Minuten bei Google Maps beschrieben bekamen, dass wir nur noch 45 Minuten zu gehen hatten, wollten wir uns zeitnah ans Ziel halten, in der Befürchtung, dass Herr Hoffmanns Gruppe vor uns ankommen könnte. In Griechenland scheinen 45 Minuten eine andere Bedeutung zu haben, denn nach unserer deutschen Zeit waren wir eher schon 2 Stunden unterwegs und noch nicht am Ziel. Schön und kräftesparend waren die kleinen Steinchen, die vereinzelt auf der Straße lagen und wenn man diese betrat, rutschte man gleich weiter ohne wirklich etwas dafür tun zu müssen. Die Schwierigkeit bestand nur darin unter beide Füße diese Steinchen gleichzeitig zu bekommen. Voller Übermut wollten wir die letzte Strecke auch abkürzen und machten uns auf den Hoffmann Weg. Nach ein paar Metern dornigen Gestrüpps und dramatischen Abstiegen war uns klar, dass das nicht unser Weg sein kann und betraten schnell wieder unsere alte Strecke.

Frau Forstreuter, verjüngt durch unsere schöne Wanderung, zeigte uns dann, wie sie sich in ihrer Jugendzeit Wege verkürzt hatte und hielt einen Wagen an, der sich in schnellem Tempo näherte. Die Fahrerin mit ihrer Begleitung schien auch an ihre Jugend erinnert gewesen zu sein und wußte, dass wir alle mit ihr im Auto fahren wollten. Ich hätte nie gedacht, dass ein kleiner Wagen so viele Personen übereinander gestapelt mit sich führen kann ohne auseinanderzubrechen. Es hat funktioniert und wir kamen ausgeruht bei der Burg nach 15 Km Fußweg und 3 Stunden am falschen Eingang an. Der dortige Burgaufseher hatte zunächst kein Einsehen mit uns und wollte uns erst nicht hinein lassen, so dass wir zu unserem Treffpunkt bei den 999 Stufen hätten kommen müssen. Frau Forstreuter, ganz in ihrem Element, schaffte es dann aber doch in kurzer Zeit, den Herren von genau dem Gegenteil zu überzeugen. Als wir durch die Burg schlenderten und unserem Treffpunkt immer näher kamen, war uns klar, Herr Hoffmann und seine Gruppe hatten es nicht geschafft. Frau Forstreuter konnte aber ausschließen, dass sie verdurstet sind, da fast überall Opuntien wuchsen, deren Früchte man essen und die wasserspendend sind und von deren Bedeutung, natürlich auch Herr Hoffmann wusste. Wir bestaunten dann noch einen Hund, der schlafend da lag mit einem Hundeleckerlie vor der Nase und wünschtem ihm ein fröhliches Erwachen. Wir entspannten dann gefühlte 4 und gemessene 2 Stunden, bis Gruppe Hoffmann in Sicht kam. Zerstochen, ausgetrocknet und wunden übersät. Zum Glück erholten sie sich schnell, so dass wir nach einem wohlverdienten Mittagessen gemeinsam die Rückfahrt zum Hotel antreten konnten.

Ein Bericht von Johanna Schulz-Douglas

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